Neue Rolle im eigenen Team – wie du dich souverän positionierst
Ein Beispiel aus unserer Coaching-Praxis – mit Einverständnis der Klientin und anonymisiert.
„Ich übernehme eine neue Rolle mit mehr Verantwortung in meinem bestehenden Team. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich jetzt verhalten und positionieren soll." – So hat eine Klientin ihre Situation beschrieben, als sie zu mir ins Coaching kam.
Diese Situation kommt in vielen Berufen vor: Du wächst aus einer Rolle heraus, bekommst mehr Verantwortung, vielleicht sogar eine formale Beförderung. Und plötzlich sind da Fragen, die du dir vorher nicht gestellt hast. Wie trete ich jetzt auf? Was wird von mir erwartet? Muss ich mich verändern – und wenn ja, wie viel?
Was eine neue Rolle im vertrauten Team so herausfordernd macht
Ein Positionswechsel in ein völlig neues Team bringt eigene Herausforderungen mit sich. Aber eine neue Rolle im bestehenden Team ist oft komplexer, als es auf den ersten Blick wirkt.
Die Beziehungen sind schon da. Die Rollen sind eingespielt. Jede Person hat eine bestimmte Vorstellung davon, wer du bist – und diese Vorstellung basiert auf der Rolle, die du bisher hattest. Wenn du dich jetzt anders verhältst, entstehen Fragen bei anderen. Wenn du dich gleich verhältst, wirst du deiner neuen Aufgabe nicht gerecht.
Meine Klientin hat das sehr klar formuliert: Sie wollte weder plötzlich „anders" auftreten, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, noch in ihrer alten Rolle stecken bleiben. Sie war unsicher, wie sie beides gleichzeitig gerecht werden konnte – sich selbst und den anderen.
Warum reines Nachdenken hier nicht weiterhilft
Wenn eine Klientin mit einer solchen Frage kommt, wäre der naheliegende Weg, gemeinsam über einzelne Personen im Team zu sprechen. Was denkt Kollege A? Wie reagiert Kollegin B? Was wird der Chef erwarten?
Das Problem: Solche Gespräche bleiben schnell an der Oberfläche. Sie bewegen sich in Annahmen, die kaum überprüft sind. Und sie führen selten dazu, dass die eigene Position klarer wird.
Als systemische Coaches arbeiten wir deshalb oft mit Methoden, die den Blick öffnen – jenseits des kognitiven Sortierens.
Die Methode: Systemvisualisierung
In dieser Sitzung habe ich mit einer Systemvisualisierung gearbeitet. Dabei machen wir das soziale System einer Klientin – in diesem Fall ihr Team – räumlich sichtbar. Für jede Person, mit der sie im Team zu tun hat, und für sie selbst, legten wir eine Karte auf den Tisch.
Der Unterschied zum reinen Gespräch: Wenn Beziehungen und Positionen räumlich vor einem liegen, wird spürbar sichtbar, was sonst nur diffus im Kopf herumkreist. Wer steht nah, wer distanziert? Wo entsteht Spannung? Wo Rückhalt? Wo Konkurrenz?
Wir sind dann Schritt für Schritt an entscheidenden Fragen entlanggegangen:
- Wer steht wo – nah, distanziert, im Spannungsfeld?
- Wo fühlt sie sich sicher, wo eher unter Beobachtung?
- Was schreibt sie den anderen zu – und wie viel davon ist eigentlich überprüft?
- Und: Wo steht sie selbst in diesem Bild?
Mit jeder Frage veränderte sich die Anordnung. Karten wurden verschoben, neu positioniert, teilweise gedreht. Nach und nach wurden Muster sichtbar, die vorher nicht greifbar gewesen waren.
Der Moment, in dem sich etwas verschoben hat
Ein Muster war besonders auffällig: Obwohl meine Klientin schon lange in diesem Team war, hatte sie sich gedanklich immer wieder als untergeordnet eingestuft. In der Visualisierung wurde sichtbar, warum: Sie hatte anderen Kolleg:innen implizit Kompetenzen und Positionen zugeschrieben, die diese in Wirklichkeit gar nicht mehr oder nur teilweise hatten.
Als alle Karten vor ihr lagen und wir gemeinsam draufgeschaut haben, wurde deutlich: Sie ist in vielen Bereichen längst auf Augenhöhe mit denen, die sie oben eingeordnet hatte. Teilweise sogar weiter.
In diesem Moment ist etwas Entscheidendes passiert: Sie hat erkannt, dass die „neue" Rolle gar nicht so neu ist. Dass sie sich über die letzten Jahre längst dorthin entwickelt hatte – in ihrer Art zu denken, zu entscheiden und im Team zu wirken.
Die höhere Rolle war weniger ein Sprung als vielmehr das Sichtbarwerden von etwas, das schon da war.
Was das für ihre Positionierung bedeutet hat
Dieser Perspektivwechsel hat spürbar Druck rausgenommen. Solange die Klientin ihre neue Rolle als etwas erlebte, in das sie erst hineinwachsen musste, war jede Interaktion mit einer Frage aufgeladen: Bin ich schon soweit? Sehen die anderen mich schon so?
In dem Moment, in dem sie erkennen konnte, dass sie längst dort ist, wo die neue Rolle sie erwartet, wurde ein anderer Raum möglich. Sie konnte sich klar positionieren, ohne sich zu verbiegen. Sie musste nicht plötzlich anders auftreten – sondern das zeigen, was schon da war.
Was wir daraus mitnehmen
Wenn Menschen in eine neue Rolle wachsen – gerade im bestehenden Umfeld – ist die entscheidende Arbeit oft nicht, sich neu zu erfinden. Sondern zu erkennen, was sich bereits verändert hat. Und diese Veränderung nach außen sichtbar werden zu lassen.
Als systemische Coaches nutzen wir dafür Methoden, die den Blick öffnen: für die eigene Position, für die Dynamik im Team, für die Zuschreibungen, die man selbst mit sich trägt. Manchmal reicht das, um Klarheit dort zu schaffen, wo vorher nur Unsicherheit war.
Du stehst gerade selbst vor einer neuen Rolle?
Wenn du dich beim Lesen wiedererkannt hast – wenn eine neue Aufgabe, mehr Verantwortung oder eine veränderte Position dich beschäftigt und du unsicher bist, wie du dich darin positionieren möchtest – dann kann Coaching ein guter Weg sein, um Klarheit zu gewinnen. Wir laden dich gern zu einem kostenlosen Kennenlerngespräch ein. In 15 Minuten schauen wir gemeinsam, ob ein Coaching bei uns der richtige Weg für dich ist. Unverbindlich und kostenlos.
– Selina
