Blog | RISE Systemisches Coaching Frankfurt

Unsicher vor Gruppen? Was hinter dem inneren Kritiker steckt

Ein Beispiel aus unserer Coaching-Praxis – mit Einverständnis der Klientin und anonymisiert.

„Ich weiß fachlich genau, wovon ich spreche. Aber sobald ich vor einer Gruppe stehe, werde ich unsicher." – So hat eine Klientin ihre Situation beschrieben, als sie zu mir ins Coaching kam.

Diese Situation kennen viele: In Einzelgesprächen wirkst du souverän, im engen Team fühlst du dich sicher. Aber sobald du vor mehreren Menschen stehen oder präsentieren sollst, kippt etwas. Du wirst angespannt, kontrollierst dich stärker, hast das Gefühl, keine Fehler machen zu dürfen. Und das, obwohl du fachlich genau weißt, wovon du sprichst.

Warum das fachliche Können nicht immer reicht

Ein häufiger Reflex in dieser Situation ist, sich noch besser vorzubereiten. Noch mehr recherchieren. Die Präsentation ein weiteres Mal durchgehen. Alle möglichen Fragen antizipieren.

Das kann helfen – bis zu einem bestimmten Punkt. Aber bei meiner Klientin lag das Problem nicht auf der fachlichen Ebene. Sie war eine Expertin auf ihrem Gebiet. Was sie im entscheidenden Moment blockierte, war nicht ihr Wissen, sondern etwas anderes: eine innere Dynamik, die in der Situation aktiv wurde.

Und genau dorthin haben wir im Coaching geschaut.

Wenn eine innere Stimme sehr laut wird

Im Gespräch wurde relativ schnell etwas deutlich: In den Momenten vor und während einer Präsentation gab es eine innere Stimme, die sehr laut wurde. Sie meldete sich streng, fordernd und wachsam. Sie prüfte jede Formulierung. Sie mahnte zur Kontrolle. Sie warnte vor Fehlern.

Man könnte sagen: eine Art innerer Ordnungshüter. Eine Instanz, die alles darauf ausrichtet, dass nichts schiefgeht.

Der erste Impuls vieler Menschen in dieser Situation ist, diese Stimme zum Schweigen bringen zu wollen. „Ich sollte einfach entspannter sein." „Ich muss aufhören, so streng mit mir zu sein." Doch genau das funktioniert erfahrungsgemäß selten. Was man wegdrücken will, wird meistens lauter, nicht leiser.

Der systemische Blick: Innere Anteile ernst nehmen

Als systemische Coaches arbeiten wir mit einem anderen Ansatz. Wir gehen davon aus, dass jede innere Stimme – auch die, die uns unangenehm ist – einen Sinn hat. Sie ist irgendwann entstanden, um etwas zu ermöglichen oder zu verhindern. Sie hat eine Absicht, auch wenn diese im Erwachsenenleben manchmal überholt oder überzogen ist.

Deshalb war die erste Frage in dieser Sitzung nicht: Wie werden wir diese Stimme los? Sondern: Was will sie eigentlich?

Die Methode: Mit dem inneren Team arbeiten

In dieser Sitzung habe ich mit dem Konzept des inneren Teams gearbeitet. Die Grundidee dahinter: Wir sind nicht eine Person mit einer Stimme, sondern tragen unterschiedliche Anteile in uns, die in verschiedenen Situationen unterschiedlich laut werden. Bei meiner Klientin war der innere Ordnungshüter in Präsentationssituationen der lauteste Anteil.

Wir haben ihm gemeinsam Aufmerksamkeit gegeben. Nicht bewertend, sondern neugierig. Die Fragen, an denen wir uns entlanggearbeitet haben, waren:

  • Wovor möchte diese Stimme dich eigentlich schützen?
  • Was befürchtet sie, das passieren könnte, wenn sie nicht wachsam wäre?
  • Was hat sie dir bisher auch schon ermöglicht?
  • Wann ist sie zum ersten Mal aufgetaucht?

Mit jeder Frage wurde das Bild differenzierter. Der Ordnungshüter war nicht einfach ein Störfaktor. Er war ein Teil, der über die Jahre gelernt hatte, dass Kontrolle Sicherheit gibt. Er hatte durchaus schon einiges für die Klientin ermöglicht: Sorgfalt, Verlässlichkeit, Qualität. Aber er war in Präsentationssituationen so laut, dass er ihre Souveränität überlagerte.

Was sich verändert hat

Im Verlauf des Gesprächs hat sich der Blick meiner Klientin auf diese Stimme spürbar verändert. Sie wurde verständlicher. Weniger Gegner, mehr ein Teil von ihr, der ihr das Beste ermöglichen möchte – nur eben manchmal auf eine Art und Weise, die im Moment nicht mehr hilfreich ist.

Und genau in diesem Perspektivwechsel ist etwas passiert.

Die Unsicherheit war nicht sofort verschwunden. Das wäre auch unrealistisch gewesen. Aber sie wurde kleiner. Nicht weil die innere Stimme leiser wurde, sondern weil die Einstellung ihr gegenüber sich verändert hat. Meine Klientin konnte sich in Präsentationssituationen anders zu diesem Anteil positionieren: nicht mehr im Kampf gegen ihn, sondern in einem konstruktiven Umgang mit ihm.

Was wir daraus mitnehmen

Innere Kritiker – oder wie auch immer wir sie nennen wollen – lassen sich selten ignorieren. Der Versuch, sie zum Schweigen zu bringen, macht sie meistens lauter.

Was oft besser funktioniert: Sie ernst zu nehmen. Zu verstehen, was sie eigentlich wollen. Und dann bewusst zu entscheiden, wie viel Raum man ihnen in einer bestimmten Situation gibt.

Systemisches Coaching bietet dafür einen Raum, in dem das gemeinsam angeschaut werden kann. Nicht mit dem Ziel, Anteile zu bekämpfen, sondern mit dem Ziel, sie so zu integrieren, dass sie dich unterstützen statt dich zu bremsen.

Du erkennst dich in dieser Situation wieder?

Wenn du dich fachlich sicher fühlst, aber in bestimmten Situationen trotzdem unsicher wirst – vor Gruppen, in Präsentationen, bei wichtigen Gesprächen – dann kann Coaching ein guter Weg sein, um zu verstehen, was darunter liegt. Wir laden dich gern zu einem kostenlosen Kennenlerngespräch ein. In 15 Minuten schauen wir gemeinsam, ob ein Coaching bei uns der richtige Weg für dich ist. Unverbindlich und kostenlos.

- Ricarda

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